
Es gibt verschiedene Arten von Trauma. Unsere Interpretation meint meistens das Schocktrauma (Krieg, Tot, Vergewaltigung, Naturkatastrophe), wenn es um Traumata geht. Letztendlich ist jedoch nicht das (Schock-)Ereignis das Trauma, sondern die verschiedenen körperlichen und psychischen Folgezustände, unter denen wir danach leiden.
Kurz gesagt ist ein Trauma eine Art Wunde oder Verletzung, die durch andere Menschen herrührt.
Ein traumatisches Erlebnis ist eine starke psychische Erschütterung, eine Wunde oder Verletzung, die uns durch Beteiligung andere Menschen entsteht. Ein hoch stressiges Erlebnis, das uns überfordert und das wir in dem Moment nicht bewältigen/verarbeiten können.
Unser Körper und explizit unser Nervensystem ist von Haus aus dazu in der Lage, mit Stress und Belastung umzugehen. Wenn der Stress zeitlich begrenzt ist, für die Person zu bewältigen und nicht extrem ist. Heute weiß man, dass Trauma durch subjektive Erlebnisse entsteht. Es muss keine Katastrophe oder Bedrohung durch Gewalt vorangegangen sein. Auch „kleine“ (für außenstehende Personen „nichtige“) Erlebnisse können zu traumatischen Erlebnissen führen. Das Entstehen einer Traumatisierung ist nicht abhängig von einem Erlebnis mit katastrophalem Ausmaß.
Es hängt vielmehr davon ab, ob die Person das Erlebnis verarbeiten oder bewältigen kann. Dabei spielt es eine Rolle, wie resilient die Person ist, wie ihr Sicherheitserleben ist, wie ihr Bindungsmuster ist, ob jemand bei ihr ist der unterstützt, oder sie der Situation, die sie gerade nicht bewältigen kann, allein gegenübersteht. Es gibt noch viele weitere Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Wichtig ist mir deutlich zu machen, dass eine Situation zu einer Traumatisierung führen kann, weil die Person, die diese Situation durchlebt, gerade keine ausreichenden Ressourcen zur Verfügung hat, das Erlebte zu bewältigen.
Trauma ist also höchst subjektiv!
Es kann demnach sein, dass zwei Personen in der gleichen Situation unterschiedliche Ressourcen haben, das Erlebte zu verarbeiten. Die eine Person ist anschließend traumatisiert, die andere Person geht in die Verarbeitung und hat ausreichend Strategien (und Personen) zur Verfügung, das Erlebte zu bewältigen.
Wir sind in unserem Leben täglich Situationen ausgesetzt, die Stress hervorrufen. Situationen, die großen Stress verursachen, wie Naturkatastrophen, Unfälle, Vergewaltigungen, Krieg oder Überfälle.
Auch Dauerstressoren, wie anhaltender Ärger im Job, Mehrfachbelastungen (Job, Kinder, Existenzangst...) oder toxische Beziehungen wirken sich als Trauma in uns aus. Lang andauernder Stress wird nicht selten als Burnout diagnostiziert und behandelt.
Wenn die Situation, für die eine Person zwar stressig (mit Schreck verbunden) ist, aber zu bewältigen ist, speichert unser Gehirn die Situation assoziiert (zusammenhängend) in unserem Gehirn ab. Sie hat damit einen Beginn, ein Verlauf und ein Ende. Die Person kann von dem Ereignis chronologisch berichten, weil es als ganzes Ereignis abgespeichert ist. Normalerweise schaltet der Organismus wieder in den Alltagsmodus zurück und reguliert sich selbst. Er lässt die Wachheit und Reaktionsbereitschaft los, und wir können wieder entspannt in den Beziehungsmodus wechseln.
Die Verarbeitung und Speicherung eines hoch traumatischen Ereignisses oder eines schweren schockartigen Erlebnisses ist jedoch völlig anders. Von dem Moment an, in dem die Person in eine hoch stressbeladene Situation gerät, die für sie nicht zu bewältigen ist, schaltet das Gehirn völlig automatisch (autonom) in den Überlebensmodus. Das bedeutet, dass alle verfügbare Energie für eine extreme körperliche Belastung bereitgestellt wird. Wir kennen den Flucht- oder Kampf zustand. Wir können in dem Moment nicht logisch denken, das könnte unseren Tod bedeuten.
Problematisch wird es, wenn unser Körper in der Flucht- und Kampf Aktivierung stecken bleibt. Wir fühlen uns dann weiterhin gestresst und unsicher, wofür unser Körper auf Dauer nicht ausgelegt ist. Wenn dieser Zustand andauert und keine Regulation geschieht, kommt es zu körperlichen und/oder psychischen Symptomen. Das bedeutet, dass es in der Folge von schwerem Trauma zu psychischen und körperlichen Symptomen kommen kann, die Ursache darin jedoch im Dauerstresszustand unseres Nervensystems seine Ursache findet. Das Erlebnis bzw. die Folgen dessen sind also in deinem Körper bzw. in deinem Nervensystem gespeichert und hinterlassen Spuren. Es steckt als unbewusster Schrecken in Körper und Seele.
Es gibt wie immer mehrere Wege. Ich arbeite mit EMDR und traumasensiblem Coaching, das sich auf die Regulation deines Nervensystems konzentriert. EMDR regt durch die bilaterale Stimulation das Unterbewusstsein an, unverarbeitete Fragmente zusammenzufügen, damit das Gehirn sie verarbeiten kann.
Dabei liegt der Prozess komplett in deiner Hand. Du entscheidest, welche Schritte du gehst, wie nah du an deine Themen herangehst und wo du hinschauen willst. Hierbei zählt jeder Schritt! Und jeder Schritt ist wichtig! Egal wie klein er dir erscheint. Meist lösen sich unterwegs noch andere Fragmente mit. Du arbeitest immer für dich und dein System. Für Frieden und entspanntes Sein.
Weil wir so vorsichtig vorgehen, kommt es in der Regel nicht vor, dass dich eine Welle überrollt (ich kann natürlich nicht „nie“ sagen). Wir gehen die Schritte aufmerksam und achtsam, so dass dein Körper die Verarbeitung in seinem Tempo, in gut zu verdauenden Schritten vornimmt. Versprochen!
Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Erlernen diverser Selbst-Regulationstechniken. Wenn du dir in prekären Situationen selbst helfen kannst, wächst deine Selbstwirksamkeit, und das führt zu mehr Selbstliebe, Selbstvertrauen und Sicherheit.
Alles, was dazu beiträgt, dass du deinen Körper intensiver spürst und wieder bewusst auf seine Signale achtest, wird ein wichtiger Teil deines Heilungsprozesses sein. Dein System befindet sich momentan in einer Ungleichgewichtssituation, daher werden wir auf verschiedenen Ebenen daran arbeiten, dass du dich wieder ganz und vollständig fühlst. Du bist wie ein harmonisches Orchester, bei dem Körper, Geist und Seele als Team zusammenwirken.
Wir werden gemeinsam Achtsamkeitstraining, Körperwahrnehmung und Regulationstechniken einsetzen, um deine Widerstandsfähigkeit zu stärken, deine eigenen Ressourcen zu aktivieren und dadurch ein Gefühl von Zufriedenheit und Ganzheit zu erlangen.
Unser gesamtes System, bestehend aus Körper, Geist und Psyche, ist untrennbar miteinander verbunden. Wenn wir uns mit einer Problematik auseinandersetzen, ist es von großer Bedeutung, einen ganzheitlichen Blick darauf zu werfen. Veränderungen wirken sich immer im ganzen System aus. Insbesondere beim Umgang mit Trauma spielt die Neurobiologie eine wichtige Rolle.
Trauma hat sowohl Auswirkungen auf das Gehirn als auch auf den Körper. Etwa 20 % des Traumas sind im Gehirn verankert, während die restlichen 80 % im Körper gespeichert werden. Dies bedeutet, dass das traumatische Erlebnis neuronale Muster im Gehirn formt und gleichzeitig im Körper durch körperliche Empfindungen, Symptome oder Verspannungen präsent bleibt.
Diese gespeicherten Traumamuster sind oft stark, rigide und unflexibel. Sie haben sich regelrecht verkapselt und zeigen wenig Bereitschaft zur Veränderung. Solange diese Muster im Gehirn festgehalten werden und mit hoher Energie geladen sind, ist es schwierig, Veränderungen herbeizuführen. Hier setzt die Methode des EMDR an, um auf schonende Weise die Erinnerungen anzusprechen und dem System von außen einen neuen Reiz zu geben.
EMDR unterstützt die Neuverarbeitung des Traumas, indem es den Zugang zu den neuronalen Mustern ermöglicht. Durch gezielte Stimulation der Augenbewegungen oder anderer sensorischer Reize kann das Gehirn neue Verbindungen knüpfen und die starren Muster flexibilisieren. Dadurch öffnet sich das System und beginnt, sich neu zu ordnen. Dieser Prozess erfordert oft wiederholte Anwendungen, aber sobald das System eine neue Anordnung gefunden hat, kann Stress abgebaut und eine positive Veränderung erreicht werden.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Abbau eines Traumas ein individueller und manchmal langwieriger Prozess sein kann. Dennoch ist es erlösend und bringt mehr Lebendigkeit, Freude und Selbstbestimmung in dein Leben. Durch die neurobiologischen Aspekte und die gezielte Anwendung von EMDR kann eine tiefgreifende Heilung und Neuordnung des Systems erreicht werden, um eine positive Veränderung auf allen Ebenen zu ermöglichen.
