Trauma verstehen
Trauma verstehen

Das Nervensystem

Dein Körper ist ein Meister des Überlebens – die 4 F´s

Hast du dich schon einmal gefragt, warum du in stressigen Momenten plötzlich hochexplosiv wirst, völlig erstarrst oder es jedem recht machen willst, obwohl du innerlich schreien möchtest?

Diese Reaktionen sind keine Charakterschwäche und kein Versagen deiner Disziplin. Es sind hochspezialisierte Überlebensstrategien deines autonomen Nervensystems. Dein System scannt permanent – ohne dass du es merkst – deine Umgebung auf Sicherheit oder Gefahr. Wenn es Bedrohung wahrnimmt, übernimmt ein uralter biologischer Autopilot das Steuer. Wir nennen diese Reaktionen die 4 F’s. Sie sind der Versuch deines Körpers, dich in einer (vermeintlich) unsicheren Welt zu schützen.

FIGHT (Kampf)

Was im Körper passiert:
Hohe Energie, Druck, Reizbarkeit. Dein System will die Kontrolle zurückgewinnen.

Wie es sich anfühlt:
"Ich muss mich durchbeißen", Wut, Perfektionismus, ständiges Kritisieren.

Unsere gemeinsame Arbeit:
Wir lernen, die angestaute Energie gesund zu entladen und Grenzen zu setzen, ohne zu "explodieren".

FLIGHT (Flucht)

Was im Körper passiert:
Rastlosigkeit, Getriebensein, Vermeidung. Dein System will weg vom Schmerz.

Wie es sich anfühlt:
"Ich schaffe das nicht", Workaholismus, Grübeln, Angst vor Verpflichtungen.

Unsere gemeinsame Arbeit:
Wir finden Wege zur Erdung und Ruhe, damit du wieder im Hier und Jetzt ankommen kannst.

FREEZE (Erstarrung)

Was im Körper passiert:
Gefühl von Taubheit, Erschöpfung, "Neben-sich-stehen". Dein System fährt herunter, um dich zu schützen.

Wie es sich anfühlt:
"Ich bin wie gelähmt", Leere, Prokrastination, soziale Isolation.

Unsere gemeinsame Arbeit:
Wir wecken dein System ganz behutsam wieder auf und bringen Sicherheit in die Erstarrung.

FAWN (Anpassung)

Was im Körper passiert:
Übermäßige Hilfsbereitschaft, Konfliktscheu. Dein System sucht Sicherheit durch Harmonie.

Wie es sich anfühlt:
"Hauptsache, du bist zufrieden", Ja-Sagen trotz innerem Nein, eigene Bedürfnisse vergessen.

Unsere gemeinsame Arbeit:
Wir stärken dein Ich-Gefühl und üben, die Verbindung zu dir selbst zu halten, auch wenn andere dabei sind.

Die meisten Ansätze versuchen, Probleme über den Verstand zu lösen – durch Nachdenken, Analysieren und Reden. Doch wenn dein Nervensystem im "Überlebensmodus" (Fight, Flight, Freeze oder Fawn) feststeckt, ist der denkende Teil deines Gehirns quasi offline. In diesem Zustand kannst du dich nicht "einfach entspannen" oder "positiv denken".

Die Biologie der Sicherheit basierend auf der Polyvagal-Theorie wissen wir heute: Heilung geschieht nicht durch das Verstehen der Vergangenheit allein, sondern durch das Nachbeeltern des Nervensystems im Hier und Jetzt.

Unser Ziel in der gemeinsamen Arbeit ist es, deine "autonome Leiter" wieder beweglich zu machen. Wir schauen uns an: Kann hier die Leiter an die Seite?

  • Neurozeption: Wie lernt dein System, wieder echte Sicherheit von alter Gefahr zu unterscheiden?
  • Kapazität erweitern: Wir trainieren dein Nervensystem wie einen Muskel. Du lernst, Stresswellen zu reiten, anstatt von ihnen weggespült zu werden.
  • Co-Regulation: In unseren Sitzungen oder Gruppen nutzen wir die Kraft der Gemeinschaft. Ein sicheres Nervensystem (meines oder das der Gruppe) hilft deinem System, sich zu beruhigen und wieder Vertrauen zu fassen.

Wir arbeiten "Bottom-Up" –  also vom Körper zum Kopf. Wir nutzen sanfte Körperübungen, Atemtechniken und achtsame Wahrnehmung, um deinem System zu signalisieren: "Du bist jetzt sicher. Du darfst den Wachposten verlassen."

Wenn dein Nervensystem lernt, dass die Gefahr vorbei ist, verschwinden die Symptome oft von ganz allein. Du wirst belastbarer, deine Beziehungen werden tiefer und du gewinnst die Freiheit zurück, so zu reagieren, wie du es wirklich möchtest – und nicht so, wie dein Autopilot es vorgibt.

Dein Nervensystem: Der unsichtbare Regisseur deines Lebens

Hast du dich schon mal gefragt, warum du in manchen Momenten völlig cool bleibst und in anderen bei einer Kleinigkeit explodierst? Oder warum du dich manchmal wie „abgeschaltet“ fühlst, obwohl du eigentlich produktiv sein willst? Die Antwort liegt nicht in deinem Charakter, sondern in deinem Nervensystem

Trauma verstehen
Trauma verstehen

Stell dir dein Nervensystem wie ein Haus vor.

Um zu verstehen, wie du tickst, nutzen wir eine einfache Metapher: Dein Körper ist dein Zuhause

Das Fundament: Der Rückzug in die Stille
Das sind deine „Grundversorgungsleitungen“. Sie laufen im Hintergrund, damit das Haus nicht einfriert. Aber wenn es hier zu Problemen kommt, wird alles auf Sparflamme heruntergefahren. Du fühlst dich leer, einsam oder einfach nur erschöpft.

Wenn das System auf „Überleben durch Stillstand“ schaltet
Am Anfang unserer Evolution steht der älteste Reaktionsweg unseres Nervensystems: der dorsale Vagus. Wenn weder Kampf noch Flucht möglich erscheinen und unser System eine lebensbedrohliche Überwältigung wahrnimmt (Neurozeption von Lebensgefahr), wählt es den Weg der letzten Rettung: die Immobilisierung.

Wie fühlt sich das an?

Es ist ein Zustand der absoluten Hilflosigkeit. Vincent van Gogh beschrieb es treffend:

"Man fühlt sich, als läge man an Händen und Füßen gefesselt völlig hilflos auf dem Grund eines tiefen, dunklen Brunnens."

In diesem Moment erstarrt nicht nur der Körper, sondern auch die Seele. Es ist eine Geschichte der Verzweiflung, in der Sicherheit und Hoffnung unerreichbar weit weg scheinen.

Der Erhaltungsmodus des Körpers

Wenn du dich im dorsalen Zustand befindest, zeigt sich das oft durch:

  • Betäubung & Benebelung: Du fühlst dich wie in Watte gepackt, geistig abwesend oder „neben der Spur“.
  • Kollaps: Die Energie verlässt deinen Körper. Du fühlst dich schwer, kraftlos und wie gelähmt.
  • Trennung: Ein tiefes Gefühl, unverbunden zu sein – von dir selbst, von anderen und von der Welt. Du fühlst dich allein, verloren und unerreichbar.
  • Verschwinden: Der Impuls ist, unsichtbar zu werden, sich zu verkriechen und die Welt auszusperren.

Die Arbeit mit diesem Zustand:

Es ist mir ein Herzensanliegen, dir zu sagen: Dieser Zustand ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist die adaptive Überlebensreaktion deines Körpers, der dich in einem Moment größter Not schützen wollte.

In meiner Arbeit holen wir dich nicht mit Gewalt aus diesem Brunnen. Wir beginnen damit, ganz behutsam Licht und winzige Momente von Sicherheit nach unten zu schicken. Wir lernen gemeinsam, die Anzeichen des Kollapses zu erkennen und dein System ganz sanft wieder an die Oberfläche zu begleiten, dorthin, wo Verbindung und Leben wieder möglich sind.

Das ist dein Sicherheitssystem. Es ist darauf programmiert, bei Gefahr sofort Alarm zu schlagen und dich in Bewegung zu setzen. Wenn es anspringt, schüttet dein Körper Adrenalin aus – du bist bereit für den „Kampf“ oder die „Flucht“.

Wenn dein Nervensystem die Ebene der Sicherheit verlässt, betrittst du den Raum der Mobilisierung. Evolutionär gesehen war dies unser Lebensretter: Die Fähigkeit, in Sekundenbruchteilen Energie bereitzustellen, um zu kämpfen oder zu fliehen. Doch in unserem modernen Alltag fühlt sich dieser Zustand oft wie ein Gefängnis aus Unruhe und Misstrauen an.

Wie fühlt sich das an?

Es ist das Gefühl, als würde die Welt plötzlich schärfere Kanten bekommen. Dein Herz schlägt schneller, dein Atem wird flach, und deine Sinne sind geschärft – aber nur für das, was gefährlich sein könnte. In diesem Zustand flüstert dir die Angst ununterbrochen zu: „Beweg dich! Tu was! Verschwinde von hier!“

Die Geschichte von einer unsicheren Welt

Im sympathischen Zustand verändert sich deine Wahrnehmung:

  • Hypervigilanz: Du hältst ständig Ausschau nach Anzeichen von Gefahr. Ein harmloser Blick eines Passanten wird als Ablehnung gedeutet; ein lautes Geräusch lässt dich zusammenzucken.
  • Verlust der Verbindung: Du fühlst dich von anderen getrennt. Es ist, als wäre ein unsichtbarer Graben zwischen dir und der Welt. Das natürliche Bedürfnis nach Austausch (Social Engagement) wird dem reinen Überleben geopfert.
  • Innere Getriebenheit: Du bist im Modus der aktiven Aggression oder der rastlosen Flucht. Stillsitzen fühlt sich unerträglich an.

Die Arbeit mit diesem Zustand:

In meiner Begleitung lernst du, diesen „Alarm im zweiten Stock“ frühzeitig zu bemerken. Wir üben Techniken, die deinem Körper signalisieren, dass die Mobilisierung jetzt nicht mehr nötig ist. Es geht darum, die überschüssige Energie sanft zu entladen, damit du wieder in den ersten Stock – in die Sicherheit und Verbundenheit – zurückkehren kannst.

Der zweite Stock: Das Wohnzimmer – Dein sicherer Hafen

Der Ort, an dem Heilung und Verbindung geschehen

Hier findet das eigentliche Leben statt. In diesem Zustand fühlst du dich sicher und verbunden. Dein Herzschlag ist ruhig, du kannst klar denken, lachen und dich wirklich auf andere Menschen einlassen. Das ist der Ort, an dem Heilung und Erholung passieren.

„Wie würde es sich anfühlen, wenn die innere Kälte einer tiefen Sicherheit und Wärme weichen dürfte?

Stell dir vor, du erfährst Geborgenheit in einer sanften Umarmung, gehalten von einer Kraft, die dich trägt. Ein Raum, in dem Tränen fließen dürfen und Lachen wieder möglich ist – eng aneinander gekuschelt mit dem Leben selbst.

Hier hast du die Freiheit, dich ganz mitzuteilen, zu verweilen oder zu gehen. In deinem Tempo. In deiner Wahrheit. Gemeinsam ebnen wir deinem Nervensystem den Weg aus der Isolation zurück in dieses Gefühl von tiefer Verbundenheit und Freiheit.“

Das ist der wichtigste Teil deiner Webseite – das Zielbild, die Belohnung für die Arbeit mit dem Nervensystem. In der Metapher des Hauses ist das Wohnzimmer (der ventrale Vagus) der Ort, an dem wir wirklich leben, anstatt nur zu überleben.

Hier ist die stimmige Aufbereitung, die deine poetischen Worte mit den Fachbegriffen von Deb Dana verwebt:

Wenn unser Nervensystem im „zweiten Stock“, dem ventralen Vagus, verankert ist, verändert sich alles. Es ist das biologische Fundament für Vertrauen, Kreativität und echte Nähe. Hier schreiben wir keine Geschichten über Gefahr mehr, sondern Geschichten der Möglichkeiten.

Wie fühlt es sich an?

Es ist dieses tiefe, wohlige Gefühl von Sicherheit und Wärme. Wie würde es sich anfühlen, in der sanften Umarmung durch starke Arme zu ruhen, eng aneinander gekuschelt? Es ist ein Zustand, in dem Tränen und Lachen gleichermaßen willkommen sind. Du spürst die Freiheit, dich ganz mitzuteilen, zu bleiben oder zu gehen – ohne Druck, ohne Maske.

Ein Leben in Verbindung In diesem Zustand bist du „sicher verkörpert“. Das bedeutet:

  • Verbundenheit: Du fühlst dich eins mit dir selbst, mit deinen Mitmenschen, der Welt und einer größeren spirituellen Ebene.
  • Präsenz: Du bist ganz auf den Moment eingestimmt. Ablenkungen treten in den Hintergrund, du bist wach und klar.
  • Resilienz & Flexibilität: Du bist ressourcenreich und einfallsreich. Wenn Herausforderungen kommen, kannst du flexibel darauf reagieren, anstatt starr zu werden oder zu explodieren.
  • Co-Regulation: Du kannst um Unterstützung bitten und sie anderen anbieten. Dein System ist offen für das nährende Miteinander.
  • Mitgefühl: Du begegnest der Welt – und vor allem dir selbst – mit tiefer Empathie und Hoffnung.

Die Arbeit in diesem Stockwerk: Mein Ziel ist es, dir zu helfen, die Wege in dieses „Wohnzimmer“ zu ebnen. Wir stärken deine Fähigkeit zur Selbstregulation und nutzen die Co-Regulation in der Gruppe, damit dieser Zustand von Sicherheit nicht nur ein seltener Gast, sondern dein Zuhause wird. Hier darfst du einfach sein.

Kennst du das?
Dein Kopf ist wie ein Internetbrowser mit 50 offenen Tabs. Du hast das Gefühl, ständig etwas tun zu müssen, kannst nicht stillsitzen und deine To-Do-Liste fühlt sich an wie ein drohender Berg. Selbst beim Zähneputzen planst du schon den nächsten Termin

Im Alltag: Ständiges Multitasking, zwanghaftes „Beschäftigtsein“, Vermeidung von Pausen oder die Unfähigkeit, ein Buch zu Ende zu lesen, weil die Gedanken abschweifen.

Das Gefühl: Gehetzt sein, Getriebenheit, eine flache Atmung und das Gefühl, dass die Zeit nicht ausreicht.

Nervensystem: Deine „Alarmanlage“ (Sympathikus) ist aktiv und bereitet dich darauf vor, der Belastung davonzulaufen.

Trauma verstehen
Trauma verstehen

Kennst du das?
Jemand stellt eine harmlose Rückfrage zu deiner Arbeit und du fühlst dich sofort persönlich angegriffen. Du merkst, wie dein Kiefer sich anspannt und du eine spitze oder sarkastische Antwort gibst, die du später vielleicht bereust.

Im Alltag: Gereiztheit gegenüber dem Partner, Ungeduld an der Supermarktkasse, Rechthaberei in Diskussionen oder der Drang, alles kontrollieren zu wollen

Das Gefühl: Hitze im Körper, angespannte Muskeln (besonders Nacken und Kiefer) und ein tunnelartiger Fokus auf das „Problem“

Nervensystem: Der Sympathikus mobilisiert Energie, um die vermeintliche Gefahr zu bekämpfen.

Kennst du das?
Du wirst in einem Meeting etwas gefragt und plötzlich ist dein Kopf wie leergefegt. Du weißt die Antwort eigentlich, aber du bringst kein Wort heraus. Dein Körper fühlt sich steif an, während dein Herz im Inneren rast

Im Alltag: Aufschieberitis (Prokrastination), bei der man stundenlang auf eine Aufgabe starrt, aber nicht anfangen kann; das Gefühl, wie gelähmt zu sein, wenn eine schwierige Entscheidung ansteht

Das Gefühl: Eine Mischung aus hoher innerer Anspannung und äußerer Unbeweglichkeit. Es ist, als ob man gleichzeitig Vollgas gibt und die Handbremse fest angezogen hat

Nervensystem: Ein Mischzustand, bei dem sowohl das Gaspedal (Sympathikus) als auch die Notbremse (Dorsaler Vagus) gleichzeitig aktiv sind

Trauma verstehen
Trauma verstehen

Kennst du das?
Du kommst nach einem stressigen Tag nach Hause und „verschwindest“ für drei Stunden in deinem Smartphone. Du scrollst sinnlos durch Social Media, nimmst die Welt um dich herum kaum noch wahr und fühlst dich einfach nur taub und leer

Im Alltag: „People Pleasing“ – du sagst zu allem Ja, nur um Konflikte zu vermeiden und die Harmonie zu wahren, auch wenn du dich dabei selbst verlierst. Oder du fühlst dich in Gesellschaft von Menschen plötzlich unsichtbar und ziehst dich innerlich völlig zurück

Das Gefühl: Emotionale Taubheit, Wattewelt, chronische Erschöpfung, das Gefühl, „nicht wirklich da“ oder abgetrennt zu sein

Nervensystem: Dein System ist in den „Energiesparmodus“ (Dorsaler Vagus) gegangen, weil Kampf oder Flucht zu anstrengend oder nicht möglich erschienen

Erkennst du dich in einigen Zuständen wieder? Wir wechseln meist am Tag zwischen diesen Zuständen hin und her. Aber wir haben einen Zustand, en dem wir hauptsächlich „zuhause“ sind. Und in den wir fallen, wenn wir in eine stressigen Situation kommen. Da reagiert unser Körper ohne unser bewusstes Denken im Automatismus. Hinterher fragen wir uns oft, warum wir so gehandelt haben und nicht anders. Unsere Reaktion geht an unserem bewussten (beinflussbaren) Denken vorbei.

Warum die Arbeit am Nervensystem hier hilft
Wenn du lernst, diese Zustände frühzeitig zu erkennen („Notice and Name“), kannst du sie regulieren, bevor sie dich „entführen“.

Anstatt dich dafür zu verurteilen, dass du gereizt bist (Fight) oder auf dem Sofa feststeckst (Shutdown), verstehst du: Das ist gerade mein Nervensystem, das versucht, mich zu schützen

Durch Übungen wie das Pendeln zwischen Sicherheit und Belastung oder gezielte Body-to-Brain-Übungen kannst du deinem System helfen, den Weg zurück in das „Wohnzimmer“ (Ventraler Vagus) zu finden.Es ist, als würdest du lernen, die Wellen zu reiten, anstatt von ihnen unter Wasser gedrückt zu werden. Du kannst die Wellen nicht abstellen (die 4 F's sind biologisch sinnvoll), aber du kannst ein besserer Surfer werden.

Trauma verstehen

Ein Trauma entsteht, wenn ein aufkommendes Erlebnis den Menschen als Extremstress überfordert. Wenn du keine Möglichkeit hast, das Erlebte zu verarbeiten, niemand da ist, der dir hilft, du nicht kämpfen und auch nicht fliehen kannst, also sinnbildlich in die Ecke gedrängt wirst. Starke Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Ausgeliefertsein prägen diese Erlebnisse und deine aufgebrachte Energie reicht nicht aus, um die Bedrohung abzuwenden und wieder Sicherheit herzustellen.

In so einer Situation beginnt dein Gehirn zu dissoziieren. Es arbeitet und speichert das Erleben anders als sonst, es schaltet, um dein Überleben zu sichern, auf „Notprogramm“.  Diese Erlebnisse sind höchst subjektiv. Was für den einen ein traumatisches Erlebnis ist, ist für den anderen lediglich großer Stress.

  • Du leidest unter Schlafstörungen
  • Du hast immer wiederkehrende Flashbacks
  • Schlimme Bilder treten häufig vor deinen inneren Augen auf
  • Dein Körper gerät plötzlich in einen Zustand, den du nicht beeinflussen kannst (z.B.Traurigkeit, Melancholie, Angst, Einsamkeit, Isolation)
  • Du fühlst dich abgeschnitten (innere Leere)
  • Du hast (wiederkehrende) Albträume
  • Du hast kein Gefühl für deinen Körper
  • Du kommst nicht zur Ruhe (Übererregt)
  • Du kommst nicht in die Aktivität (Antriebslos, kraftlos, Energielos)

Und einiges mehr.

„Die meisten Traumatisierungen finden in den eigenen Familien statt“

Trauma verstehen

Es gibt verschiedene Arten von Trauma. Unsere Interpretation meint meistens das Schocktrauma (Krieg, Tot, Vergewaltigung, Naturkatastrophe), wenn es um Traumata geht. Letztendlich ist jedoch nicht das (Schock-)Ereignis das Trauma, sondern die verschiedenen körperlichen und psychischen Folgezustände, unter denen wir danach leiden.
Kurz gesagt ist ein Trauma eine Art Wunde oder Verletzung, die durch andere Menschen herrührt.

Wenn die Situation, für die eine Person zwar stressig (mit Schreck verbunden) ist, aber zu bewältigen ist, speichert unser Gehirn die Situation assoziiert (zusammenhängend) in unserem Gehirn ab. Sie hat damit einen Beginn, ein Verlauf und ein Ende. Die Person kann von dem Ereignis chronologisch berichten, weil es als ganzes Ereignis abgespeichert ist. Normalerweise schaltet der Organismus wieder in den Alltagsmodus zurück und reguliert sich selbst. Er lässt die Wachheit und Reaktionsbereitschaft los, und wir können wieder entspannt in den Beziehungsmodus wechseln.

Es gibt wie immer mehrere Wege. Ich arbeite mit EMDR und traumasensiblem Coaching, das sich auf die Regulation deines Nervensystems konzentriert. EMDR regt durch die bilaterale Stimulation das Unterbewusstsein an, unverarbeitete Fragmente zusammenzufügen, damit das Gehirn sie verarbeiten kann.

Unser gesamtes System, bestehend aus Körper, Geist und Psyche, ist untrennbar miteinander verbunden. Wenn wir uns mit einer Problematik auseinandersetzen, ist es von großer Bedeutung, einen ganzheitlichen Blick darauf zu werfen. Veränderungen wirken sich immer im ganzen System aus. Insbesondere beim Umgang mit Trauma spielt die Neurobiologie eine wichtige Rolle.

Mehr zu Transgenerationales Trauma
„Traumaheilung beeinflusst nicht nur jeden einzelnen Menschen,
sondern auch die Familie, das Umfeld und letztlich die Gesellschaft.“
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Transgenerationales Trauma

Der Begriff "transgenerationales Trauma" ist in der Psychopathologie nicht wissenschaftlich diagnostiziert. Es handelt sich jedoch um ein Phänomen, das offensichtlich und wahrnehmbar ist. Es wird angenommen, dass unverarbeitete Traumata mit hoher Wahrscheinlichkeit über epigenetische Prozesse an die nächsten Generationen weitergegeben werden.

Dies geschieht auf verschiedene Weisen:

  • Durch die enge Verbindung zwischen Mutter und Kind während der Schwangerschaft können traumatische Erfahrungen der Mutter auf das Kind übertragen werden, selbst pränatal.
  • Über die Gene werden Stresserfahrungen der Eltern gespeichert, was durch epigenetische Mechanismen geschieht. Diese epigenetischen Veränderungen können die Art und Weise beeinflussen, wie Gene aktiviert oder deaktiviert werden, und somit die Anfälligkeit für Traumata und Stressreaktionen über Generationen hinweg beeinflussen.
  • Eigene ungelöste Traumata einer Person können dazu führen, dass sie sich entsprechend verhält und ihre Kinder in Bezug auf das Trauma erzieht. Durch die Weitergabe bestimmter Verhaltensmuster und Überzeugungen werden Beziehungen und Interaktionen in Bezug auf das Trauma beeinflusst.

Diese Mechanismen verdeutlichen, wie Traumata sich über Generationen hinweg auswirken können und wie Erfahrungen der Eltern die Entwicklung und das Verhalten ihrer Kinder beeinflussen können. Es ist wichtig, sich dieser Zusammenhänge bewusst zu sein, um den Heilungsprozess zu unterstützen und den Teufelskreis des transgenerationalen Traumas zu durchbrechen.

Trauma verstehen

Das, was uns oft belastet und uns in ungünstigen Reaktionsmustern gefangen hält, sind in der Regel Entwicklungs- und Bindungstraumata, die jeder von uns in sich trägt.

Diese Traumata stammen aus unserer Kindheit und haben einen so starken Einfluss, dass sie die gesamte Entwicklung unserer Persönlichkeit stören und häufig zu großem Leid als Erwachsene führen. Sie werden durch bestimmte Ereignisse ausgelöst, wie zum Beispiel ein Schocktrauma (wie der Tod eines Elternteils, der Auszug einer geliebten Bezugsperson, Krieg oder eine Naturkatastrophe).

Die schwerwiegendsten Traumafolgen entstehen jedoch durch Bindungstraumata. In der Kindheit entstandene destruktive Beziehungsmuster, die von den Eltern oder anderen Bezugspersonen dem Kind gegenüber vorgelebt wurden, können tiefe Auswirkungen haben. Dadurch können wir in unserem Innersten Schwierigkeiten haben, Kontakt aufzunehmen und Beziehungen zu führen. Dies führt zu großem Leid in allen Arten von Beziehungen und letztendlich auch zu Leiden in der Mutter-(Vater)-Kind-Beziehung. Das Leben besteht von Anfang an aus Austausch und Verbindung. Doch in einem gestörten Zustand versuchen wir, Verbindung durch Kompensation und Betäubung zu überleben, während wir uns gleichzeitig unendlich einsam und getrennt fühlen.

Diese Muster der Kompensation und des Getrenntseins hindern uns daran, das volle Potenzial unseres Lebens zu entfalten. Der Heilungsprozess zielt darauf ab, diese destruktiven Muster zu erkennen, zu verstehen und zu überwinden, um wahre Verbindung und erfüllende Beziehungen zu erfahren.

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